Autoradios in den 60ern

Historisch gesehen, war es die Zeit der diskreten elektronischen Bauteile . Die Zeit der Verwendung von Röhren waren schon vorbei, alles war mit Transistoren realisiert. In Autoradios wollte man  schon immer seine Lieblingssender auf Tastendruck verfügbar haben. Elektronische Speicherung gab es damals nicht in der Größe um in einem Autoradio Platz zu finden. Erinnern sie sich noch an die großen Bandstationen samt den blinkenden Lämpchen in alten Filmen? Die Kernspeicher waren ja unsichtbar.

Um seine Lieblingsstationen verfügbar zu haben waren damals mechanische Speicher üblich. Unter anderem hat dieses Abstimmaggregat aus einem japanischen Produkt mein Interesse geweckt. Man konnte damit 5 Sender speichern. 1x LW, 2x MW und 2x UKW.

Gesamtansicht

Man sieht rechts im Bild den Abstimmknopf. Die fünf programmierbaren Tasten und sehr interessant den Skalenzeigerantrieb a la „Mercedes Monoscheibenwischer“.  Wesentliches Problem ist die Spitze des Zeigers, die ja gleichbleibenden Abstand zur Skala haben soll, was durch die im Bild gezeigte Ausgleichsplatte erzielt wird. Auch beim Mercedes musste ja das Wischerblatt möglichst in die Ecken der Windschutzscheibe gelangen können, ohne in Scheibenmitte bis ins Dach hinauf  zu wischen.

Wie ist nun die Senderspeicherung gelöst worden?

Doch vorerst noch wie ein Sender überhaupt abgestimmt wurde: mittels Variometer. Das sind Spulen in denen ein beweglicher Ferritkern die Frequenz bestimmt.

Variometer

Drei der Kerne, auf dem Schlitten sind sichtbar. Die Justierung dieser wurde in der Fabrik mittels der sichtbaren Messingschrauben vorgenommen. Dieser Schlitten läuft auf zwei Führungsbolzen, der linke ist sichtbar. Der Abstimmknopf hat nun über zwei verspannte Zahnradantriebe, um kein „Spiel“ beim Abstimmvorgang zuzulassen,  den Schlitten bewegt. Dazu muss eine Rotation in eine Translation umgesetzt werden. Ein Beispiel dazu ist die Lokomotive oder der Automotor wo mittels der Pleuel die Umsetzung erfolgt. Der im Bild benannte Hebel ist also das „Pleuel“.

Kupplung.jpg

Wir kommen nun zur Programmierung. Man sucht den gewünschten Sender mittels des Drehknopfes auf und zieht die Taste heraus die programmiert werden soll. Danach drückt man sie bis zum Anschlag wieder hinein. Die später erwähnte Programmierkulisse ist für die ausgewählte Taste im herausgezogenen Zustand  frei beweglich und kann sich an den Programmierbalken anlegen, ehe die Lage während des Bewegungsablaufes beim eindrücken der Taste endgültig fixiert wird.

Progrmmierst.JPG

Der Zeiger springt dann entsprechend der vorher festgelegten Position je Taste an den entsprechenden Ort in der Skala. Eigentlich müsste sich dann ja der Abstimmknopf auch mitdrehen, da er ja beim Programmiervorgang mitbeteiligt war. Um das zu vermeiden wurde in der Konstruktion eine Kupplung vorgesehen, die immer dann betätigt wird, wenn eine Stationstaste gedrückt wird.

Kupplung1   Kupplung.jpg

Beide Stellungen der Kupplung sind dargestellt. Im Bild ist noch ein Kardangelenk sicht bar, das die Einbaumaße der Öffnungen im Armaturenbrett ausgleichen soll.

Da wie gesagt LW, MW und UKW Stationen empfangbar sind gibt es noch einen Wellenschalter, dessen Stellung über schiefe Ebenen  jeder Taste fix zugeordnet ist.

Wellensch.JPG

Jeder Taste ist  eine frei wählbare Variometereinstellung zuordenbar. Wo ist diese Position gespeichert?

Prog_Kulisse.JPG

Im Bild sichtbar ist der „Programmierbalken“ der über das Rad mit den 4 Löchern über eine Übersetzung bewegt werden kann und so die entsprechende Variometerstellung des Senders in „manueller Sendereinstellung“ festlegt. Drückt man eine der fünf Tasten, so überträgt die entsprechende Programmierkulisse ihre vorher eingestellte Position auf den Programmierbalken.

Die unterschiedliche Lage der im Bild sichtbaren 5 Kulissen sind also das „Gedächtnis“ sprich der analoge Speicher dieses Aggregates. Da jede Frequenz einstellbar ist,  haben diese einfachen Blechteile ein Speicherkapazität von etwa 2000 Bit alle fünf zusammen also 10000 Bit, unter der Annahme von 500 Hz Steps in MW und 20 kHz bei UKW.

Heutzutage ist es u.a. üblich eine manuell eingestellte Frequenz durch längeres Drücken einer Position am Touchscreen zu speichern. Der Stationsname wird vom Sender sowieso mitgeliefert und gespeichert.

Kein Teil in der ganzen Konstruktion ist anscheinend redundant, soweit feststellbar. Da kaum eine Konstruktionsbeschreibung verfügbar sein wird,  ausgenommen es liegen Patente vor, soll dies eine Information über historische Technik sein. Es handelt sich um eine sehr ausgeklügelte Konstruktion und möchte meine Bewunderung dem mir unbekannten Konstrukteur zollen.